Indexanlagen verstehen – Schritt für Schritt und ohne Lärm
Was ein Index misst, worin sich Indexfonds und ETF unterscheiden, weshalb eine scheinbar kleine Gebühr über zwanzig Jahre so stark ins Gewicht fällt und wie Sie eine Sparroutine aufbauen, die auch schwache Börsenphasen übersteht. Mit Zahlen, offengelegten Annahmen und ohne jede Produktempfehlung.
Reine Wissensvermittlung: kein Produktverkauf, keine Vermögensverwaltung
TER 0.20 %Rechenbeispiel
Horizont: 20 JahreAnnahme
CHF 150 pro MonatBeispielbetrag
Die Etiketten sind Lernbeispiele – keine echten Daten und keine Empfehlungen.
Grundbegriffe
Neun Bausteine, auf denen Indexanlagen beruhen
Sie müssen nicht alles wissen, um den Überblick zu gewinnen. Diese Begriffe tauchen immer wieder auf, sobald es um passives und langfristiges Anlegen geht.
Ausgangspunkt
Was ist ein Index?
Ein Index ist ein Regelwerk, das einen Markt abbildet: eine Liste von Unternehmen oder Anleihen samt Gewichtungsregel, die täglich neu berechnet wird. Kaufen kann man ihn nicht direkt – er dient als Messlatte, ähnlich einem Thermometer.
Aktienindizes gewichten meist nach Börsenwert: Je grösser ein Unternehmen, desto mehr zählt es. Der SMI umfasst die 20 grössten Schweizer Titel, der breitere SPI nahezu den ganzen Schweizer Aktienmarkt; daneben gibt es Regional-, Welt- und Obligationenindizes. Massgebend ist jeweils die Methodik, die der Indexanbieter veröffentlicht.
Indexfonds
Ein Anlagefonds, der einen Index nachbildet, statt einzelne Titel auszuwählen. Gehandelt wird zum Nettoinventarwert, der einmal täglich berechnet wird.
ETF
Ein börsengehandelter Fonds: meist ebenfalls an einen Index gekoppelt, aber wie eine Aktie laufend über die Börse handelbar, etwa an der SIX Swiss Exchange.
TER und Kosten
Die TER (Total Expense Ratio) ist der jährliche Kostensatz, der dem Fondsvermögen belastet wird. In einem Jahr kaum spürbar, über zwanzig Jahre deutlich.
Diversifikation
Wer Geld auf viele Firmen, Branchen und Länder verteilt, dämpft die Folgen, wenn eine davon strauchelt. Das Marktrisiko bleibt jedoch bestehen.
Regelmässiges Sparen
Ein fixer Betrag pro Monat macht Disziplin zur Routine und verteilt die Käufe über die Zeit: Sinken die Kurse, erhalten Sie für denselben Betrag mehr Anteile. Ein besseres Ergebnis als eine Einmalanlage ist damit nicht garantiert, aber Sie müssen den richtigen Zeitpunkt nicht erraten.
Anlagehorizont
Die Zeitspanne, in der Sie das Geld nicht brauchen. Je kürzer sie ist, desto weniger Spielraum bleibt, um einen Einbruch aufzuholen.
Rebalancing
Die gewählte Aufteilung, etwa zwischen Aktien und Obligationen, von Zeit zu Zeit wiederherstellen, wenn der Markt sie verschoben hat.
Indexfonds in der Säule 3a
In der Schweiz lässt sich die gebundene Vorsorge (Säule 3a) bei vielen Anbietern nicht nur als Zinskonto, sondern auch in Wertschriften führen – oft über indexnahe Vorsorgefonds. Einzahlungen sind bis zu einem jährlich festgelegten Maximalbetrag vom steuerbaren Einkommen abziehbar; die Regeln zu Bezug und Besteuerung klären Sie am besten mit Ihrer Steuerverwaltung oder einer Fachperson. Wir erklären hier das Prinzip, ohne Steuerberechnungen.
Die unsichtbaren Kosten
Warum 1 % pro Jahr nicht «bloss» 1 % ist
Fondsgebühren kommen nicht als Rechnung ins Haus: Sie werden Tag für Tag still vom Vermögen abgezogen. Darum unterschätzt man sie leicht. Entscheidend ist nicht, was sie in einem Jahr kosten, sondern was in allen folgenden Jahren nicht mehr mitwachsen kann.
Der Grund ist der Zinseszinseffekt. Jeder Franken, der als Gebühr wegfällt, erwirtschaftet keine weiteren Erträge mehr. Über lange Zeiträume kann der Unterschied zwischen zwei Fonds auf denselben Index stärker von den Kosten abhängen als von allem anderen.
Rechenbeispiel
Angenommen, Sie legen CHF 10'000 einmalig für 30 Jahre an, bei einer hypothetischen Bruttorendite von 5 % pro Jahr und ohne weitere Einzahlungen. Mit einer TER von 0.20 % ergäbe sich theoretisch ein Endkapital von rund CHF 40'817, mit einer TER von 1.50 % von rund CHF 28'068. Die Differenz von etwa CHF 12'749 übersteigt das Startkapital.
Neben der TER können weitere Kosten anfallen: Depotgebühren, Courtagen, die eidgenössische Umsatzabgabe (Stempelabgabe) beim Kauf über einen Schweizer Effektenhändler, die Geld-Brief-Spanne bei ETF oder Transaktionskosten im Fonds selbst. Das Basisinformationsblatt (BIB) nach FIDLEG zeigt diese Kosten gebündelt – lesen Sie es vor jedem Kauf.
Vorsicht beim Vergleichen. Tiefe Kosten machen ein Produkt nicht automatisch passend für Sie: Ebenso zählen der abgebildete Index, die Replikationsmethode, die Währung und Ihr eigener Horizont. Kostenvergleiche sind nur zwischen Produkten sinnvoll, die dasselbe tun.
Kostenrechner
Zwei TER mit identischen Annahmen vergleichen
Passen Sie die Werte an und beobachten Sie, wie sich die Differenz entwickelt. Alles wird in Ihrem Browser berechnet; nichts wird gespeichert oder übermittelt.
Ihre Annahmen
Vor Kosten. Eine Annahme, keine Prognose.
Theoretisches Ergebnis
Endwert mit TER A
Endwert mit TER B
Differenz A zu B
Total eingezahlt
TER A
TER B
Einbezahlt
Hypothetische Darstellung, keine Prognose. Märkte liefern nicht jedes Jahr denselben Prozentsatz: Es gibt Verlustjahre, und das tatsächliche Ergebnis kann stark abweichen – bis hin zum Verlust eines Teils des Kapitals. Steuern, Teuerung und weitere Kosten sind nicht berücksichtigt.
Methode: Nettojahresrendite = hypothetische Rendite − TER, umgerechnet in einen gleichwertigen Monatssatz; Einzahlungen jeweils Ende Monat; monatliche Verzinsung.
Gewohnheiten
Einzahlen, abwarten, ausbalancieren: die langweilige Methode
Indexanlagen gelten als «langweilig» – und das ist ein Kompliment. Sobald die Aufteilung auf Anlageklassen und der Betrag feststehen, den Sie ohne finanzielle Engpässe einzahlen können, besteht die Arbeit vor allem darin, beim Plan zu bleiben.
Regelmässiges Sparen
Rechenbeispiel
Sie investieren drei Monate lang je CHF 150. Der Anteil kostet CHF 10, CHF 8 und CHF 12.50. Sie erhalten 15, 18.75 und 12 Anteile, insgesamt 45.75 für CHF 450. Ihr Durchschnittspreis liegt bei rund CHF 9.84 und damit leicht unter dem einfachen Mittel der drei Kurse (CHF 10.17), weil Sie bei tiefen Kursen mehr gekauft haben.
Rebalancing
Rechenbeispiel
Ein Portfolio von CHF 10'000 im Verhältnis 60/40: CHF 6'000 in Aktien, CHF 4'000 in Obligationen. Steigen die Aktien um 25 % und bleiben die Obligationen unverändert, halten Sie CHF 7'500 und CHF 4'000 – also etwa 65 % zu 35 %. Beim Rebalancing verschieben Sie rund CHF 600 von Aktien zu Obligationen und kommen so auf CHF 6'900 / CHF 4'600.
Manche gleichen einmal jährlich aus, andere erst, wenn die Aufteilung um einige Prozentpunkte abweicht. Wer regelmässig einzahlt, kann oft einfach das neue Geld in den zurückgefallenen Teil lenken – das spart zudem Courtagen und Stempelabgaben, die bei Verkäufen anfallen würden.
Anlagehorizont
Aktien können jahrelang im Minus liegen. Geld, das Sie bald brauchen, oder Ihre Notreserve sollte deshalb nicht davon abhängen, wie die Börse gerade steht.
Häufige Fehler
Was beim Einstieg am häufigsten schiefgeht
Keiner dieser Fehler ist selten oder peinlich. Wer sie im Voraus kennt, vermeidet sie am günstigsten.
Die Notreserve investieren
Ohne Notgroschen kann Sie eine unerwartete Ausgabe zwingen, im falschen Moment zu verkaufen.
Nur auf vergangene Renditen achten
Was ein Fonds in den letzten Jahren erzielt hat, sagt nichts über die Zukunft. Index, Replikation und Kosten verraten meist mehr.
Kosten übersehen
Eine hohe TER, Depotgebühren oder sehr häufige ETF-Käufe schmälern das Ergebnis Jahr für Jahr.
Viele Produkte mit Streuung verwechseln
Fünf Fonds auf sehr ähnliche Indizes verteilen das Risiko nicht besser – sie machen das Portfolio nur unübersichtlicher.
Aus Angst im Einbruch verkaufen
Rückschläge gehören dazu. Wer nach einem Kurssturz aussteigt, macht aus einem vorübergehenden Verlust einen endgültigen.
Alle paar Monate die Strategie wechseln
Wer dem jüngsten Gewinner nachläuft, kauft oft teuer und verkauft billig.
Das BIB nicht lesen
Das Basisinformationsblatt fasst Ziel, Risiken und Kosten eines Fonds auf wenigen Seiten zusammen.
Den Horizont vergessen
Wer Geld in Aktien anlegt, das er in ein bis zwei Jahren braucht, riskiert einen Verkauf im ungünstigsten Moment.
Gratis-Kurs per E-Mail
8 Lektionen zu Indexanlagen
Jede Woche eine Lektion in Ihrem Posteingang, rund zehn Minuten Lesezeit, mit hypothetischen Zahlenbeispielen und einer kleinen Übung zum Schluss.
01Was ist ein Index?Aufbau, Gewichtung und warum es so viele davon gibt.
02Indexfonds und ETFGemeinsamkeiten, Unterschiede und wie man sie kauft.
03Das BIB lesenZiel, Risikoindikator, Kosten und Szenarien.
04Kosten und TERDer Zinseszinseffekt der Gebühren, durchgerechnet.
05DiversifikationLänder, Branchen, Währungen und Obligationen.
06Sparplan und HorizontWie viel, wie oft und wie lange.
07RebalancingEinfache Regeln für die Rückkehr zur Zielaufteilung.
08Säule 3a und PlanpflegeWertschriften in der Säule 3a und die jährliche Überprüfung.
Kostenloses Monats-Webinar
Einmal im Monat eine Live-Session, in der wir ein Thema in Ruhe vertiefen und allgemeine Fragen beantworten. Über konkrete Produkte sprechen wir nicht, persönliche Empfehlungen gibt es keine. Jeden Termin kündigen wir per E-Mail an.
Häufige Fragen
Was viele vor dem Start wissen möchten
Sagen Sie mir, welchen Fonds oder ETF ich kaufen soll?
Nein. Alpenmeridian ist ein Bildungsprojekt: Wir erklären Begriffe und zeigen, wie man Produktinformationen liest. Wir empfehlen jedoch weder bestimmte Fonds, ETF noch Fondsanbieter und bieten keine persönliche Anlageberatung an.
Ist ein Indexfonds sicher?
Eine Anlage ohne Risiko gibt es nicht. Ein Aktienindexfonds steigt und fällt mit dem Markt, den er abbildet, und kann über Jahre im Minus liegen. Diversifikation senkt das Risiko einzelner Unternehmen, nicht aber das Risiko des Gesamtmarkts.
Worin unterscheiden sich Indexfonds und ETF?
Beide bilden meist einen Index ab. Indexfonds zeichnen und verkaufen Sie zum täglichen Nettoinventarwert über die Fondsleitung oder eine Vertriebsstelle; ETF werden an der Börse kotiert und während der Handelszeit über eine Bank oder einen Broker gehandelt. Unterschiede gibt es auch bei Kaufkosten, Mindestbeträgen und Sparplanangeboten.
Mit welcher Rendite kann ich rechnen?
Das weiss niemand. Deshalb arbeitet der Rechner mit einer «hypothetischen» Rendite, die Sie selbst wählen: Er zeigt die Wirkung der Kosten unter gleichen Annahmen, sagt aber keine Ergebnisse voraus. Vergangene Renditen sind keine Garantie für künftige.
Wie viel Geld brauche ich, um zu lernen?
Gar keines. Kurs und Webinar sind kostenlos, ein Konto müssen Sie nirgends eröffnen. Sie können alle 8 Lektionen durcharbeiten, ohne einen Franken anzulegen, und später in Ruhe entscheiden, ob Anlegen zu Ihrer Situation passt.
Erklären Sie auch die Steuern?
Wir erläutern Grundbegriffe wie die eidgenössische Umsatzabgabe beim Handel über einen Schweizer Effektenhändler oder die Verrechnungssteuer von 35 % auf Schweizer Dividenden und Zinsen, die sich über die Steuererklärung zurückfordern lässt. Konkrete Berechnungen oder Einzelfälle behandeln wir nicht; dafür sind Ihre Steuerverwaltung oder eine Fachperson zuständig.
Wie melde ich mich ab?
Jede E-Mail enthält einen Abmeldelink. Sie können uns auch an schreiben, dann löschen wir Ihre Daten.
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